Datenklau: Ein Schüler hackt das politische System (zeit on line)

Ein 20-Jähriger hat aus seinem Elternhaus heraus einen Monat lang Politiker bloßgestellt. Ermittler erkannten erst spät den Zusammenhang. Dann fassten sie schnell zu.

Am Ende ging es sehr schnell. Zwei Tage brauchten die Fahnder, um den Mann zu identifizieren und festzunehmen, der mutmaßlich private Daten von rund tausend Politikerinnen und Politikern sowie weiteren Prominenten gestohlen und im Netz veröffentlicht hatte. Am Sonntagabend schon nahmen sie Johannes S. im mittelhessischen Luftkurort Homberg (Ohm) fest.

Zunächst bestritt der 20-Jährige noch, etwas mit der Tat zu tun haben. Doch am Montag gestand er den Ermittlern des Bundeskriminalamts (BKA) und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich, dass er für den wohl größten bislang bekannt gewordenen Fall von Doxing in Deutschland verantwortlich sei.

Nun wird Johannes S. das Ausspähen von Daten und die unberechtigte Veröffentlichung personenbezogener Daten vorgeworfen. Wäre er erwachsen, drohten ihm bis zu drei Jahre Gefängnis. Doch wegen seines jungen Alters gilt er als Heranwachsender, das Strafmaß liegt dann deutlich niedriger.

Tragweite nicht bedacht

Ein junger Mann also, Schüler noch, der bei seinen Eltern wohnt und offenbar allein handelte. Verbindungen ins Ausland fanden die Ermittler jedenfalls bislang keine, ebenso stießen sie auf keine weiteren Verdächtigen. So sagte es Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der ZIT am Dienstag. Vielmehr trafen die Ermittler auf einen computeraffinen Heranwachsenden, der sich seine Hackingfähigkeiten wohl selbst erarbeitet hatte. Darüber hinaus wollen sie nichts über den Täter preisgeben, weil er wegen seines Alters besonders zu schützen sei. Doch von Reue ist die Rede und davon, dass oft leichtfertig gehandelt werde und die Tragweite der Taten nicht bedacht.

In der IT-Sicherheit werden Menschen wie Johannes S. Cracker oder Script Kid genannt. Die englischen Ausdrücke sollen sie von Hackern unterscheiden. Oft können Script Kiddies nicht wirklich programmieren, versuchen aber trotzdem, in fremde Systeme einzudringen. Dafür nutzen sie Software und Scripte, die andere verfasst haben.

Gefühl von Macht und Größe

Das Motiv solcher Script Kiddies ist schlicht: Sie tun es, weil sie es können, und weil es ihnen ein Gefühl von Macht und Größe verschafft. Umso mehr, wenn sie damit unter ihresgleichen angeben können. Wie es im Internet heißt, "for the lulz". Also für das Gelächter der Zuschauenden und den eigenen Spaß.

 

Von Kai Biermann und arsten Polke-Majewski